Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche
Eine Bilanz der Aufarbeitung
2010 habe ich meinen ersten Beitrag zu diesem Thema gedreht. Damals war ein Damm gebrochen. In der ganzen Republik wurden immer neue Fälle aufgedeckt, und 16 Jahre später steht die katholische Kirche vor einem Riesen Scherbenhaufen.
Was hat die Kirche getan, um ihre größte Krise aufzuarbeiten? Wir versuchen eine Bilanz zu ziehen.
Dafür dokumentieren wir den Fall von Norbert Denef. Er wurde als zehnjähriger Messdiener im sächsischen Delitzsch misshandelt. Von dem Vikar Alfons Kamphusmann. Von 1959 bis 1965. Schätzungsweise 300 sexuelle Übergriffe.
Denef ist jetzt 76 Jahre alt und schwerstkrank. Er hat Darmkrebs. Es könnte sein letztes Interview sein, sagt er mir vor den Dreharbeiten.
Seine Geschichte ist unglaublich: Für mich ist Kamphusmann die Spur zu einem pädophilen Kriminellen. Sieben Mal wurde er in immer andere Gemeinden versetzt. Warum? Das zuständige Bistum Magdeburg erklärt, wechselnde Pfarreien seien bei jungen Seelsorgern normal.
Ich lerne zwei weitere Misshandelte kennen, die Kamphusmann in Delitzsch sexuell missbrauchte. Sie sind damals auch Jungen im Alter von Denef. Einer der Beiden erzählt den Mißbrauch seinen Eltern. Die zeigen den Übergriff beim Vorgesetzten von Kamphusmann an. Das heißt, die katholische Kirche vor Ort hatte einen Hinweis auf die Verbrechen. Diesem Verdacht ist sie offenbar nicht nachgegangen, sondern hat Kamphusmann einfach mal wieder versetzt….
Das Bistum Magdeburg räumt uns gegenüber ein, dass sich weitere vier Betroffene gemeldet haben, die nicht identisch sind mit denen, die wir kennen. Also gibt es Minimum sieben mutmaßliche Opfer. Die Anzeigen der Betroffenen beziehen sich auf den Zeitraum von 1960 bis 1990. Drei Jahrzehnte ohne dass die Kirche dem Treiben von Kamphusmann ein Ende setzte. Die Verbrechen wurden von der Kirche bis heute nicht aufgearbeitet, kritisiert Denef.
Wir haben recherchiert, wie viele Betroffene es seit 1945 in den 27 Bistümern in Deutschland mindestens gibt. 6.529 – unsere Zahl ist weit höher, als die Angaben der Kirche bisher. Und wir dokumentieren, wie hoch die Ausgleichszahlungen der Kirche an Opfer von sexuellem Missbrauch inzwischen ausfallen.
Wie die katholische Kirche meint, dass die Aufarbeitung in den letzten 16 Jahren gelaufen ist, beantwortet der Pressesprecher der katholischen Bischofskonferenz in unserem Film.
Tierblut-Geschäfte: Einblicke in eine Schattenwirtschaft
Im Netz wirbt der schwäbische Bauer Ludwig Asam für Bio-Heidelbeeren und Bio-Erdbeeren. Er verkauft Biofleisch vom Rind und Lamm. Mit dem Ticket der Grünen saß er im örtlichen Gemeinderat. Ein grüner Biobauer? Das könnte man meinen, wenn man die öffentlich zugänglichen Informationen über ihn liest.
Was wir im September 2025 aufdecken: Ludwig Asam betreibt eine Tieranlage, in der 36.000 Kaninchen pro Jahr getötet werden. Genehmigt als Tierversuch. Sein Vater, Josef Asam, ist auf die Idee gekommen. Vor mehr als 30 Jahren. Wirklich bekannt wurde das nie, und das Familienunternehmen sprach auch nicht darüber.
Das sind Ergebnisse der Recherche, die beginnt, nachdem wir versteckte Bilder aus der Anlage von der Tierschutzorganisation Soko Tierschutz zugespielt bekommen haben. Die Aufnahmen wurden von einem Undercover-Aktivisten gefilmt, der drei Monate in dem Tierblut-Betrieb beschäftigt war.
Die Bilder zeigen einen groben Umgang mit den Tieren und Hintergründe zu dem Tierversuch: Wochenlang bekommen die Kaninchen ein Serum gespritzt, damit sie Antikörper entwickeln. Dann werden sie komplett ausgeblutet und weggeworfen.
„Das Gold dieser Branche ist das Blut dieser Kaninchen“, so der Chef der Soko Tierschutz, Friedrich Mülln im Interview.
Was die Betreiber des Tierversuchs zu den Vorwürfen sagen, wie der Abnehmer des Blutes, Siemens Healthineers, reagiert und warum Tierversuche weiter eine Schattenwirtschaft bleiben werden – dazu mehr in unserem Film:

